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Diabetiker

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Prost – und Mahlzeit!

Alkohol ist für Diabetiker kein Tabu mehr, in Maßen soll er sogar gesund sein. Dennoch ist einiges zu beachten

Ein Glas Rotwein
Vorsicht: Wer abnehmen möchte, der muss auch die Kalorien aus Wein und Co. berücksichtigen
Foto:PhotoDisc

Willy Schneider wusste es besser. Bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert riet das Kölner Original: „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein!“ Aber der bösen Realität dank alkoholumnebeltem Hirn ein Schnippchen schlagen? Von wegen. Es scheint, dass ein Gläschen Wein tatsächlich Sorgen schrumpfen lässt, und zwar die um die Gesundheit. Auch bei Diabetikern. Und für die war Alkohol vor gar nicht langer Zeit noch ein Tabu. Mittlerweile gibt es keine Verbote mehr, dafür Empfehlungen. Im moderaten Rahmen darf man schon einen Schluck genießen. Und der kann, wenn es sich dabei um Wein handelt, sogar gesund sein. Das hat der Internist Dr. Gerhard Kreuter herausgefunden. Als Chefarzt der Inneren Abteilung am Marienhaus Klinikum im Kreis Ahrweiler leitete er die „Diabetes- Ahrweinstudie“ der Deutschen Weinakademie mit 80 männlichen Typ-2-Diabetikern zwischen 45 und 80 Jahren. Ihre Aufgabe: jeden Tag 300 Milliliter trockenen Spätburgunder zum Abendessen zu trinken.


Restzucker fällt nicht ins Gewicht
„Die Diabetiker waren stabil eingestellt, litten nicht unter Folgekrankheiten und nahmen während der ganzen Zeit ihre Medikamente, etwa Diabetestabletten, Insulin oder Medikamente für andere Krankheiten, wie gehabt ein“, so Dr. Kreuter. Die tägliche Weindosis von 300 Millilitern enthielt rund 30 Gramm Alkohol und knapp 0,7 Gramm Restzucker. „Der Zuckergehalt fiel also nicht ins Gewicht“, so der Arzt. Was auf andere Alkoholika nicht unbedingt zutrifft. So sind Liköre oder Dessertweine oft sehr süß und lassen den Blutzucker in die Höhe schnellen. Trockene Weine sind weniger problematisch, ebenso liebliche Diabetikerweine, besteht der Zucker in diesen hochwertigen Tropfen doch größtenteils aus Fruchtzucker.


Vorsicht, Unterzuckerung
Die Leber baut den Alkohol ab. Je nachdem, wie viel man getrunken hat, kann das eine ganze Weile dauern, oft sogar bis zum nächsten Tag. Während die Leber damit beschäftigt ist, kann sie ihre Zuckerdepots nicht auffüllen, aus denen der Körper – vor allem in der Nacht, wenn man nichts isst – Energie zieht. Mögliche Folge für Diabetiker: eine Unterzuckerung. Wer abends das Glas erhebt, kann mitten in der Nacht, aber auch noch am folgenden Vormittag eine bekommen. Das gilt vor allem für Diabetiker, die auf Insulin oder Sulfonylharnstofftabletten angewiesen sind. Besonders gefährlich ist es, wenn ein Vollrausch dazukommt und darin die Warnsignale der Unterzuckerung untergehen. Sehr vorsichtig sollte auch sein, wer feuchtfröhlich feiert und dazu ausgelassen tanzt, denn Bewegung erhöht die Gefahr einer Unterzuckerung noch mehr. Daher: Auf jeden Fall zum Alkohol einen kohlenhydratreichen Happen essen, nie auf leeren Magen einen trinken. Und nach dem Alkoholgenuss öfter den Blutzuckerspiegel messen.


„Wer schwere diabetische Folgekrankheiten hat, wie Netzhaut- oder Nervenschäden, sollte ganz auf Alkohol verzichten“, rät Dr. Kreuter. Hochprozentiges lehnt der Internist übrigens komplett ab. „Studien zeigen, dass Alkoholika mit einem Alkoholgehalt von 40 bis 50 Volumenprozenten die Lebenserwartung verkürzen können“, sagt er. Wenn Alkohol, dann also lieber Bier oder Wein. Die Ergebnisse der Diabetes-Ahrweinstudie stützen die gängige Empfehlung, Alkohol in moderaten Mengen zu trinken. „Moderat“, das heißt: Frauen maximal 20 Gramm pro Tag, Männer 30 Gramm. Wie schnell die erreicht sind, hängt vom Alkoholgehalt des Getränks ab (siehe Kasten). „Moderater Alkoholkonsum“, sagt Dr. Kreuter, „kann das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um bis zu 30 Prozent senken.“


Experten diskutieren eine ganze Reihe möglicher Gründe für diesen schützenden Effekt. Möglicherweise hemmt Alkohol die Verklumpung von Blutplättchen und die Blutgerinnung, so dass es nicht so schnell zu Gefäßverschlüssen kommt. Auch der Fettstoffwechsel wird günstig beeinflusst. Eine wichtige Rolle spielen wohl auch bestimmte Begleitstoffe. Polyphenole etwa, von denen Forscher bislang mehr als 100 verschiedene Arten im Rebsaft entdeckt haben. Sie sollen die Gefäße schützen und das Arteriosklerose-Risiko verringern. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte mit seinem Arzt sprechen, wie viel Alkohl er sich ruhigen Gewissens gönnen darf. Bei einer Herzschwäche etwa oder auch bei Herzrhythmusstörungen können die Risiken einen möglichen Nutzen schnell überwiegen.


Aufgepasst, wer abnehmen will
Alkohol enthält gut sieben Kilokalorien pro Gramm. Zwar belegen Studien, dass man bei moderaten Mengen nicht zunimmt. Wer jedoch abnehmen möchte oder muss, bei dem zählen auch die Kalorien aus Wein und Co. Und wer keinen Alkohol mag: In Obst und Gemüse stecken eine Reihe gesunder Sachen. Auch eine Riesenportion an Polyphenolen.

 
Quelle: Diabetiker Ratgeber; 18.10.2005 von www.diabetespro.de
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