
Lese im Ahrtal hat begonnen - Frühburgundertrauben werden geerntet - Winzer sprechen von idealen Voraussetzungen
Emsiges Treiben in den Weinbergen des Ahrtals: Die Traubenlese hat begonnen, der Frühburgunder steht im Ernte-Kalender der Winzer an erster Stelle. Wie aber stehen die Chancen für den Weinjahrgang 2006 nach den extremen Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen?
AHRTAL. Die Winzer von der Ahr machen mobil. Wer noch nicht begonnen hat, startet in diesen Tagen mit der Lese der Frühburgundertrauben. Und die präsentieren sich nach einem extrem wechselhaften Sommer üppig und viel versprechend.
"Affenhitze" im Juli, feucht-kaltes Herbstwetter im August, Altweibersommer mit strahlendem Sonnenschein im September: Der extreme Wetterumschwung der vergangenen Wochen löste bei vielen Winzern der Ahr ein Wechselbad der Gefühle aus. Inzwischen sind die Sorgenfalten aus den Gesichtern verschwunden. Die Weinbauern rechnen dem Jahrgang 2006 hervorragende Chancen aus.
Gestern rollten bei der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr die Traktoren mit erlesener Ladung an. Zur Freude des Kellermeisters Rolf Münster. "Bei diesen Bedingungen lacht das Herz des Winzers. Das sieht super aus, hier und da etwas Fäulnis, aber grundsätzlich gesund und viel versprechend", sagt der Kellermeister der 308 Mitgliedsbetriebe zählenden Genossenschaft.
Überaus optimistisch zeigen sich auch Vater Gerd und Sohn Alexander Stodden vom Weingut "Jean Stodden" in Rech. Sie starteten gestern zur Lese der Frühburgundertrauben. "Dieser Jahrgang könnte ein ganz großer werden - vorausgesetzt, das Wetter spielt weiterhin mit", orakeln sie - auch mit Blick auf den Spätburgunder, der das Gros aller Ahrweine ausmacht und in den nächsten Wochen geerntet wird.
"Die Mostgewichte sind ideal, die Säurestruktur ist sehr gut - ideale Voraussetzungen", urteilt Gerd Stodden. Zwar hätten die Hitze im Juni und Juli und die extreme Kälte und Feuchtigkeit im August die Trauben arg gestresst. Doch durch die Witterung der vergangenen Wochen konnte sich die Frucht erholen. Und: "Die Fäulnis, größte Feindin der Trauben, konnte im Zaum gehalten werden", so Stodden.
"Zudem haben wir in diesem Jahr erstmals die Trauben durchgeschnitten. Denn die kompakten, knubbeligen Früchte, die sehr dicht hängen, würden sich sonst gegenseitig kaputt drücken", erklärt Stodden. Das Prinzip hat gefruchtet, wie die Qualität des Leseguts zeige.
Auch Paul Schäfer vom Heppinger Weingut Burggarten rechnet mit einem überaus guten Jahrgang. "Die Trauben sind gesund und vollreif, aber nicht zu reif", sagt er. Schäfer rechnet mit starken, körper-reichen Weinen - und will jeden Sonnenstrahl nutzen. Der Countdown läuft, voraussichtlich am Samstag wird das Team des Familienbetriebes zur Frühburgunderlese ausschwärmen. Ebenso wie Stodden setzt Schäfer auf das Teilen der Trauben - bereits im zweiten Jahr. Ein Prinzip, das auch Kollege Rolf Münster aus Mayschoß befürwortet. "Das bekommt der Frucht hervorragend und bringt eine deutliche Qualitätssteigerung", weiß er. Wenngleich der Arbeitsaufwand enorm sei. "Pro Hektar Anbaufläche beschert dieser Traubenschnitt rund 100 Zusatzstunden", sagt Münster. "Aber es lohnt sich."
Gute Stimmung mit Blick auf die neuen Rebsäfte herrscht nicht nur an der Ahr. Auch der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber, sieht dem aktuellen Weinjahrgang positiv entgegen. "Sofern sich das Wetter in den kommenden Wochen normal verhält, können sich die Weinfreunde auf tolle 2006er-Weine freuen", meint der Experte. (rik)

